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27.11.2014
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Lexikon

Sühnekapelle
erfasst von Redaktion 

Im Zusammenhang mit den Sühneverfahren wurden nicht nur Sühnekreuze als Sühneleistung aufgestellt. Abhängig von Zeitstellung, Stand des Ermordeten und Täter wurden oft auch andere Zeugen der Sühneleistung gefordert und erbracht:

So mußten z.B. die Ravensburger für den erschlagenen Eitelhans von Bodmann 1390 außer dem Kreuzstein auch eine Kapelle und ein Kruzifix errichten lassen. Im Salzburgischen wurde 1481 und 1550 wegen Armut des Missetäters ein Holzkreuz, 1459 ein Steinkreuz und eine Marter , 1459 ebendasselbe, ein andermal eine Holzkapelle mit Steinkreuz bestimmt. Im Jahre 1202 mußten die Mörder des Bischofs Konrad von Würzburg eine Steinsäule, 1517 zwei Adlige bei Höchstädt (Pegnitz) eine starke steinerne Martersäule setzen lassen. In Schlesien wurde 1471 eine Kapelle mit Kruzifix, 1472 und 1473 eine hölzerne Marter, 1474 Kapelle und Kreuz, 1478 eine hölzerne Marter bei des Ermordeten Grab, 1490 ein Kruzifix ..

Raich, M.: "Die Kreuzsteine in Oberbayern" in "Deutsche Gaue", 1902, S. 16 ff

Die Sühneurkunde von Seefeld - Oberalting
Im Pfarrarchiv von Seefeld findet sich eine sehr ungewöhnliche Sühneurkunde, die Auskunft über die Geschichte eines fast vergessenen Holzkreuzes beim Krankenhaus von Seefeld-Oberalting gibt. In der Ortschronik der Pfarrei Oberalting aus dem Jahre 1902 ist diese Sühneurkunde ausführlich besprochen:

Die Sühnekapelle

Zur Sühne eines aus jugendlichen Leichtsinn an seinem reißigen Knecht Christian Lettgeb begangenen Mordes erbaute Graf Hans v. Törring (1508 - 1555) am Wege von Seefeld nach Oberalting eine kleine Kapelle, wo er und seine Unterthanen auf ihrem Kirchgang für die Seele des Entleibten beteten. Diese Kapelle ist Anfang dieses Jahrhundert abgebrochen worden. Das Pfarrarchiv gibt hierüber nähere Auskunft.

Zur Sühne eben genannten Mordes erschien Graf Hans von Törring und der Bruder des Erschlagen, Nikolaus, vor dem Herzog Wilhelm in Bayern und schlossen einen gütlichen Vergleich.
Fürs Erste mußte Graf Hans v. Törring innerhalb Monatsfrist den Begräbnisgottesdienst, den Siebten und Dreißigsten halten lassen, jedesmal mit einer gesungenen Vigil am Vorabend und 29 stillen Messen; 14 Männer mußten dabei Wachskerzen halten, opfern und Graf Hans selbst den Feierlichkeiten beiwohnen.

Hans Törring sollte eine Romfahrt machen und einen Gesandten auf seine Kosten eine "Fahrt gegen Ach" thun lassen. Innerhalb eines Vierteljahres sollte er auf dem Weg von Seefeld nach Alting ein steinernes Kreuz auf seine Kosten setzen, "damit des Entleibten und seiner Seele dabei möge gedacht werden."
Für Erziehung eines Kindes des Erschlagenen mußte Törring 100 fl. und als Schmerzensgeld an die Hinterbliebenen ebenfalls 100 fl. rheinisch bezahlen.
Der Spruchbrief mußte dem Nikolaus Leitgeb ohne Entgelt eingehändigt werden. Gegeben zu München am Freitag nach Catharina virginis im fünfzehnhundert achtzehnten Jahr."
In einem Vermarkungsprotokoll des sog. Brickl-Gärtels v. J. 1807 heißt es: "in dem sog. Seefelder Feld, unweit der Kapelle." Noch jetzt führen zwei Grundstücke beim Krankenhause, von denen eins zur Stampfmühle, das andere zum Pfarrwiddum Oberalting gehört, den Namen "Kapellenacker".


Es stand also die Sühnekapelle, statt des geforderten steinernen steinernen Kreuzes, an der Stelle, an welcher sich, westlich vom Krankenhause, das Stampfmüller´sche Feldkreuz befindet.

Der gottesfürchtige Graf ließ sich also nicht lumpen und errichtete anstelle des Kreuzes eine steinerne Kapelle und anstatt der Wahlfahrt nach Rom verschlug es ihn vermutlich nach Jerusalem.

Ob ein sehr großes doppelbalkiges Scheyrenkreuz, das einst neben der Kapelle stand, auch in Verbindung mit dem Totschlag steht, ist nicht mehr bekannt.

Die "steinerne Sühnekapelle" und das doppelbalkige Kreuz sind auf einem Ölgemälde im Schloß zu Seefeld zu bewundern. Das Gemälde zeigt die Hochzeit des Grafen Anton von Törring. Auf dem Bild ist der Brautzug mit Wagenauffahrt zum Schloß Seefeld und ein großes Gelage zwischen dem Schloß und dem Pilsensee abgebildet.
Quelle: Graf, M.: "Die Geschichte der Pfarrei Oberalting", 1902, S. 57 ff
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