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23.04.2014
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Lexikon

Lochsteine
erfasst von Redaktion 

Lochsteine (Bergbauliche Grenzsteine) des sächsischen Erzbergbaus

Bergbau hat in Sachsen eine lange Tradition. Im 12. Jahrhundert machte er infolge der Silberfunde in Freiberg von 1168 die meißnischen Markgrafen zu den zeitweilig reichsten Fürsten des Reiches. Ein neues "Berggeschrei" lösten die besonders ergiebigen Silbererzgruben von Schneeberg (1470) und Annaberg (1492) aus.

Bergrechtliche Grundlagen
Oberster Lehnsherr über allen Boden und damit auch über dessen Bodenschätze war ursprünglich der deutsche König. Dem Meißner Markgrafen Otto dem Reichen wurde das Bergregal um 1170 durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa verliehen, was ihm den zehnten Teil der Erträge von Edel- und Buntmetallerzen als eine Art Bergwerkssteuer sicherte. Aufgrund der bestehenden Bergbaufreiheit durfte jeder Bergmann auf jedem Stück Land unabhängig vom Grundbesitz durch Schürfungen nachprüfen, ob es abbauwürdiges Erz enthält.

Nach erfolgreicher Schürfung konnte mit der Rechtshandlung des "Mutens" beim zuständigen Bergmeister ein Abbaurecht beantragt werden. Der Muter erhielt zur Lagerstättenerkundung zunächst einen sogenannten "Neufang" und bei berechtigter Mutung ein Grubenfeld verliehen. Diese Verleihung war eine nur zeitweilige Überlassung zum Zweck des Abbaues bestimmter Bodenschätze. Die Grubenverleihung war eine Arbeits- und Leistungsverpflichtung, die den Inhaber zwang, den Abbau innerhalb weniger Tage selbst, oder als Gewerke durch die Beschäftigung von Lohnarbeitern, aufzunehmen.

Grubenfeldvermessung und Lochsteine

Lochstein von 1811 auf der "Markscheide zwischen Zwitterstocks tiefen Erbstolln und Rothezeche auf den Neustädter und Seegengotteßer Spath-Gange Stöllner Feld" am Geisingberg in Altenberg

Die Verleihung des Grubenfeldes wurde mit der feierlichen Rechtshandlung des Vermessens, dem sogenannten "Erbebereiten", vollzogen. Joh. Chr. Goldberger erklärt diesen Begriff in seinem Wörterbuch "Deutlich erklärete Bergmännische Termini und Redens-Arten" (Dresden 1700) wie folgt: Erbbereiten ist, wenn man Fund-Gruben und Maaßen erblich vermisset, daraus zu ersehen, wo sich der Gang zustrecket, und wie weit dasselbe Feld in die Länge reichet.

Dem Erbebereiten ging die öffentliche Bekanntmachung voraus. Gewöhnlich wurde der Antrag der Grube an drei Wochenenden vom Gerichtsdiener ordentlich ausgerufen, bevor sich die Beteiligten (Bergmeister, Muter, Ortsrichter) zur Vermessung einfanden.

Das Verleihen von Grubenfeldern erfolgte in Form rechteckiger, langgestreckter Felder entlang der Erzlager. Die Breite eines Feldes betrug grundsätzlich 7 Lachter (rund 14 m). Eine "Fundgrube" erstreckte sich im Freiberger Bergrevier über 60 Lachter (rund 120 m), im Eisenerzrevier Berggießhübel hingegen wegen der großen Mächtigkeit der Erzlager nur über 28 Lachter. Die an die Fundgruben anschließenden Grubenfelder waren die "Maaßen"; entsprechend der für den Wasserabfluß ausschlaggebenden Geländeneigung als "obere" und "untere" bezeichnet.

Abb. aus Nicolaus Voigtel: "Geometria subterranea" (Eisleben 1686)

Zur Erweiterung des Betriebes konnten beliebig viele Maaßen gemutet werden, die dann von der Fundgrube ausgehend beziffert wurden. Maaßen waren in der Regel ein drittel kürzer als die Fundgrube; im Freiberger Revier betrugen sie 40, um Berggießhübel nur 20 Lachter.

Lochstein der 2. oberen Maaß der Grube "Frisch Glück" am Fastenberg von 1686, jetzt im Stadtpark am ehemaligen Markt in Johanngeorgenstadt aufgestellt

Ausgehend vom Erzfundpunkt wurden in beide Richtungen des Streichens des Erzlagers die Fundgrube und nach Bedarf deren Maaßen abgemessen und an den Enden je ein sogenannter Lochstein gesetzt. Der bergmännische Terminus technicus "Lochstein" für einen Grubengrenzstein hat nichts mit einem etwaigen Loch im benutzten Grenzstein zu tun, sondern rührt von dem für die Kerben oder Kreuze in einem Grenzzeichen gebrauchten Wort "Lach" her. Dies wird auch aus der Erklärung von Balthasar Rösler deutlich: Lochsteine werden bey dem Vermessen gesetzet, wo Fund-Gruben und Maaßen sich enden. Die Alten haben nur Feldsteine genommen, und oben darauff ein Creutz, offtmals die Jahrzahl darzu gehauen. (Speculum metallurgiae politissimum. Dresden 1700. S. 34.)
Die benötigten Lochsteine wurden auf Kosten des Muters gefertigt und bezeichnet. Im allgemeinen wurden der Name des Ganges, die Zählziffer und Lage der Maaß und das Jahr der Verleihung, teilweise auch die Namen und Funktionen der Beteiligten eingemeißelt.

Lochstein "Fundgrube/Maaß Georg Fundgrube" am Kirchberg in Berggießhübel

Analog zu anderen Grenzmarkierungen war es üblich, beim Setzen von Lochsteinen "stumme Zeugen" aus Glas, Eierschalen, Ziegelbrocken und Kohlenstücken unterzulegen. Balthasar Rösler empfielt sogar, zusätzliche Sicherungssteine zu setzen: Es sollen aber neben iedem Lochsteine auch Zeugen gesetzet werden, nehmlich die etwas kleiner, als die Lochsteine, aber sie sollen verdeckt stehen. (a.a.O.)

Untertage wurden die Grenzen bei Bedarf durch die sogenannte Markscheide-Stufe markiert: wo sich in der Gruben des einen Feld endet, und des andern angehet, nach des am Tage gesetzten Lochsteines Gerechtigkeit, so giebet der Marckscheider solchen Ort in der Gruben an, dahin schlagen die Beampten ein Zeichen ( J. C. Goldberger, a. a. O.).

Abb. aus Nicolaus Voigtel: "Vermehrte Geometria subterranea oder Marckscheidekunst" (Eisleben 1713)

Mit dem Berggesetz von 1851 wurden die gestreckten Grubenfelder in Sachsen abgeschafft und durch größere sogenannte "Geviertfelder" mit einem Flächeninhalt von 1000 Quadratlachtern (4000 m 2 ) ersetzt.

Das verliehene Abbaurecht galt nun für alle darunter anstehenden Erzgänge und wurde an den Seiten übertägig durch Grubenfeldgrenzsteine festgelegt.

Nach dem heute gültigen Bundesberggesetz erfolgt die Angabe der Größe und Begrenzung des Bergwerkfeldes in der Verleihungsurkunde des Bergwerkseigentums unter Verweisung auf den zugehörigen Lageriß (BBergg vom 13. 8. 1980. BGBl. I. S. 1310ff, Paragraph 17, Abs. 2, 3). Eine bestimmte Form wird für das Feld einer Erlaubnis oder eines Bergwerkseigentums nicht mehr verlangt; eine Pflicht zur Vermarkung dieses Feldes beinhaltet das Gesetzeswerk ebenfalls nicht.
Quelle: Frank Reichert
Lochstein von 1811
Lochstein
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